... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits unterwegs. An einem stillen Tag kann ich sie atmen hören.

Suzanna Arundhati Roy (*1961)

 

   

Der innerste Kern unseres Wesens

Mich beschäftigt immer wieder dieser Ausdruck "le point vierge" (ich kann ihn nicht angemessen übersetzen).

Im innersten Kern unseres Wesens gibt es einen Punkt, klein wie ein Nichts, an den Sünde und Illusion nicht zu rühren vermögen. Es ist der Punkt der lauteren Wahrheit, ein Punkt oder Funke, der ganz Gott gehört. Nie können wir über diesen Punkt verfügen, sondern Gott fügt von diesem Punkt aus unser Leben. Er lässt sich nicht von den Phantasien unseres eigenen Geistes erreichen, er lässt sich nicht mit gewalttätigem eigenem Wollen erobern. Dieser kleine Punkt der Nichtigkeit und der absoluten Armut ist der Punkt der reinen Herrlichkeit Gottes in uns. Er ist sozusagen der Name Gottes, der in unser innerstes Wesen geschrieben ist, als unsere Armut, als unsere Bedürftigkeit, als unsere Abhängigkeit, als unsere Gottessohnschaft. Er ist wie ein reiner Diamant und funkelt vom unsichtbaren Licht des Himmels. Er steckt in jedem Menschen, und wären wir imstande, ihn zu sehen, dann würden wir sehen, dass Milliarden solcher Lichtpunkte sich zum Gesicht und zum Strahlen einer Sonne vereinigen, die alle Dunkelheit und alle Grausamkeit des Lebens restlos verscheuchen würde. Ich kenne kein Programm dafür, wie man dahin kommen kann, das zu sehen. Es kann einem nur geschenkt werden. Aber das Tor zum Himmel ist überall.

Thomas Merton (1915-1968, Atheist, Trapisten-Mönch, Eremit, Friedensaktivist) aus: "Ein Tor zum Himmel ist überall", 1979

Hier ein Foto von Thomas Merton

   

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