... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

 

Lieber Mensch:COURTNEY A. WALSH Du hast es alles falsch verstanden!

Du bist nicht hier, damit Dir bedingungslose Liebe gelingt.
Die ist dort, woher Du kamst und wohin Du gehen wirst.
Du bist hier, um menschliche Liebe zu lernen.
Allumfassende Liebe. Schmuddelige Liebe. Schwitzige Liebe.
Verrückte Liebe. Gebrochene Liebe. Ungeteilte Liebe.
Durchtränkt vom Göttlichen. Lebendig durch die Anmut des Stolperns.
Offenbart durch die Schönheit des … Scheiterns. Und das oft.
Du bist nicht auf die Welt gekommen, um perfekt zu werden. Du bist es schon.
Du bist hier, um herrlich menschlich zu sein. Fehlerhaft und fantastisch.
Und um im Erinnern wieder aufzuerstehen.
Aber bedingungslose Liebe? Erzähl mir nichts davon.
Denn wahre Liebe kommt OHNE Adjektive aus.
Sie braucht keine näheren Bestimmungen. Sie braucht keine perfekten Umstände.
Sie bittet Dich nur, daß Du kommst. Und Dein Bestes gibst. Dass Du im Hier und Jetzt ganz da bist.
Dass Du leuchtest und fliegst und lachst und weinst und verwundest und heilst und fällst und wieder aufstehst
Und spielst und machst und tust und lebst und stirbst als unverwechselbares DU.
Das genüge. Und das ist viel.

Courtney A. Walsh (aus dem Englischen)

© 2026 Akademie-Lichtung

Nichts weggenommen bekommen

Kaum jemand konnte Nasrudin verstehen, der es manchmal schaffte, einen Sieg in einer Niederlage zu sehen. Manche Dinge schienen durch seine Einmischung aus den Fugen zu geraten. Aber es gab das Gerücht, dass er auf einer anderen Ebene lebte als andere, und eines Tages entschloss sich ein junger Mann, ihn zu beobachten, um herauszufinden, wie er überhaupt überleben konnte und ob man etwas von ihm lernen konnte.

Er folgte Nasrudin an das Ufer eines Flusses und sah, wie er sich unter einen Baum setzte. Plötzlich streckte der Mullah seine Hand aus, und darin erschien ein Kuchen, den er aß. Das machte er dreimal. Dann streckte er seine Hand noch einmal aus, ergriff einen Kelch und tat daraus einen tiefen Schluck. Der Jüngling, der nicht mehr fähig war, an sich zu halten, eilte zu Nasrudin und ergriff ihn. „Sag mir, wie Du diese wundersamen Dinge machst, und ich mache alles, was Du willst“, sagte er.

„Das werde ich tun“, sagte Nasrudin, „aber erst musst Du in den richtigen Geisteszustand eintreten. Dann haben Zeit und Raum keine Bedeutung mehr, und du kannst den Hofmeister des Sultans erreichen, damit er dir Konfekt reicht. Es gibt nur eine Bedingung.“
„Ich akzeptiere sie!“, rief der junge Mann.
„Du musst meinem Weg folgen.“
„Erzähle mir von ihm.“
„Ich kann Dir immer nur eins auf einmal sagen. Möchtest Du die leichte Aufgabe oder die schwere?“
„Ich wähle die schwere.“
„Das ist Dein erster Fehler. Du musst mit der leichten anfangen. Aber jetzt geht das nicht mehr. Du hast die Schwere gewählt. Die Schwere ist folgende: Mache ein Loch in Deinen Zaun, sodass Deine Hühner in den Garten Deines Nachbarn können, um dort genügend aufzupicken, um groß zu werden. Aber es muss auch so klein sein, dass die Hühner Deines Nachbarn nicht in Deinen Garten kommen können, um sich dort gütlich zu tun.“

Der junge Mann konnte das nie begreifen, er wurde nie ein Schüler von Nasrudin. Aber als er den Leuten erzählte, was Nasrudin tun konnte, dachten diese, dass er verrückt wäre.

„Das ist ein guter Anfang“, sagte Nasrudin. „Eines Tages wirst Du ein Lehrer sein.“