... ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden ...

juan-ramon-jimenezIch bin nicht ich.
Ich bin jener, der an meiner Seite geht, ohne daß ich ihn erblicke,
den ich oft besuche, und den ich oft vergesse.
Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,
der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,
der umherschweift, wo ich nicht bin,
der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.

Juan Ramón Jiménez (1881-1958)

Yo no soy yo.
Soy este que va a mi lado sin yo verlo; que, a veces, voy a ver, y que, a veces, olvido.
El que calla, sereno, cuando hablo, el que perdona, dulce, cuando odio,
el que pasea por donde no estoy, el que quedará en pié cuando yo muera.

© 2026 Akademie-Lichtung

Unverloren

Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.

Arno Pötzsch (1900-1956)

 

Arno Plötzsch schreibt dieses Gedicht Ende 1940, wo er sich in Paris für einen zum Tode Verurteilten einsetzt, inspiriert durch eine Skulptur von Rodin "La main de Dieu" (Die Hand Gottes) und vermutlich auch durch das Gedicht "Herbst" von Rainer Maria Rilke.

Als Lied wurde das Gedicht zum ersten Mal in ‘Singende Kirche’, ein Gesangbuch mit Liedern von Pötzsch für die deutsche evangelische Gemeinde in den Niederlanden publiziert. Diese Lieder wurden durch den niederländischen Komponisten Jacques Beers (1902-1947) mit Melodien versehen.
Das Lied ‘Du kannst nicht tiefer fallen’ fand seinen Weg in deutschsprachige Gesangbücher (EG 533) und wurde auch in das neue niederländische Gesangbuch aufgenommen.