(Gott spricht)
Hört, ihr Geliebten!
Ich bin die Wirklichkeit der Welt, der Mittelpunkt des Kreises,
ich bin die Teile und das Ganze.
Ich bin der Wille, der zwischen Himmel und Erde wirkt,
ich habe die Wahrnehmung in euch geschaffen, nur um das
Objekt meiner Wahrnehmung zu sein.
Wenn du mich dann wahrnimmst, nimmst du dich selbst wahr.
Aber du kannst mich nicht durch dich selbst hindurch wahrnehmen.
Es ist durch meine Augen, dass du mich siehst und dich selbst siehst,
durch deine Augen kannst du mich nicht sehen.
Zeilen aus dem Kitab al-Tajalliyat (Das Buch der göttlichen Selbstoffenbarung) des großen Sufi-Meisters Ibn ‘Arabi,
übersetzt von Henry Corbin (1970) in seinem monumentalen Werk: Creative Imagination in the Sufism of Ibn ‘Arabi
Ibn ʿArabī (1165–1240)
Das ganze Gedicht im Original auf Englisch
HIER



Hört, ihr Geliebten!
Der Gott eines jeden ist der Gott aller, aber um diesen Gott zu begreifen, muss jeder von uns seinen eigenen Gott schaffen. Einige von uns suchen Gerechtigkeit, dann können wir nach Gott suchen, der gerecht ist. Einige von uns suchen nach Schönheit, diese müssen wir bei dem Gott Schönheit finden. Einige von uns suchen nach Liebe, dann müssen wir sie bei dem Gott der Barmherzigkeit und des Mitgefühls finden. Einige von uns wünschen sich Stärke und Macht und sie müssen sie bei dem allmächtigen Gott finden.